Museum im historischen Hänggiturm „Turm“ mit einer Führung am Samstag, 15. Juni 2019 in Ennenda/GL.

Es kamen 20 Personen in den historisch speziellen, eindrücklichen Hänggiturm. Ganz oben angekommen, bestaunten wir den grossen fantastischen Ausstellungsraum. Alle wollten mehr über das Leben von Anna Göldi erfahren und wissen, warum sie hingerichtet wurde, warum man sie „Hexe“ nannte, woher sie kam, usw. 

Zuerst erzählte der Museumsleiter, Fridolin Elmer kurz, dass in der Blütezeit der Glarner Textilindustrie, in diesem Raum bedruckte Stoffbahnen zum Trocknen aufgehängt wurden. 

In der Ausstellung hingen einige gefüllte Abfallsäcke, sogenannte „Schweigesäcke“, die bedeuten, dass es viele stille „versteckte“ Geschichten gibt, über die wir nichts wissen. Ausserdem sahen wir eine riesengrosse, zusammengeballte Kugel aus beschrifteten, zusammengefalteten Leibchen, als Symbol der Menschenrechte, für welche sich die Anna-Göldi-Stiftung aktiv einsetzt.

Es ist typisch, dass Frauen immer dann als Hexen verfolgt wurden, wenn sich Männer bedroht fühlten. Heute werden in Liechtenstein und der Schweiz zwar keine Hexen mehr hingerichtet, aber es braucht immer noch viel Veränderung und Umdenken, bis die verschiedenen Menschengruppen (Frauen, Menschen mit Behinderung, gleichgeschlechtliche Paare etc.) in der Gesellschaft anerkannt und gleichberechtigt sind. Der Frauenstreik am 14. Juni setzte zwar ein Zeichen, aber es braucht noch viele weitere mehr!      

Anna Göldis Lebensgeschichte, zusammengefasst vom Führungsleiter

Anna Göldi, die letzte Hexe der Schweiz, war die Tochter sehr armer Eltern, die schon in früher Jugend ihren Lebensunterhalt als Dienstmagd verdienen musste. Mit 28 Jahren war sie im Pfarrhaus von Sennwald beschäftigt. Dort lernte sie einen jungen Burschen Namens Jakob Roduner kennen. Dieser schwängerte sie, liess sie dann aber sitzen. Anna verbarg die Schwangerschaft und gebar das Kind ohne jeden Beistand. Es starb aber sehr schnell. Als das tote Kind entdeckt wurde, stellte man Anna öffentlich an die Schandsäule. Anna Göldi verriet nie, ob sie das Kind getötet hatte oder nicht.

Drei Jahre später fand sie eine Arbeitsstelle im Haus eines Dr. Zwicky in Mollis. Wieder wurde sie schwanger. Das gezeugte Kind kam in Strassburg zur Welt und wurde in fremde Obhut in Frankreich gegeben.

Auch soll ein drittes Kind geboren worden sein, aber es konnte nie bewiesen werden.

Nach weiteren Stellenwechseln, sie war inzwischen 42 Jahre alt, trat Anna Göldi 1780 ihren Dienst bei dem angesehenen Arzt und Richter Johann Jakob Tschudi an. Er lebte mit Frau und fünf Kindern in Glarus in der Schweiz. Die zweitälteste Tochter des Ehepaars hiess Anna-Maria, genannt Anna-Miggeli. Sie war acht Jahre alt, dumm, verwöhnt, unartig und der Liebling der Mutter. Dieses Kind riss der Magd 1781 einige Male die Haube vom Kopf und bekam dafür einen Klaps. 

Einige Tage darauf fand das Kind in seiner Milch eine Stecknadel (Gufe).. Am nächsten Tag untersuchte die Mutter die Milchtassen der Kinder und fand wirklich wieder Nadeln in den Tassen der Anna-Maria und der Susanna. 

Als aber am folgenden Tag wieder eine Gufe in Anna-Marias Tasse war, jagte man Anna noch am selben Tag aus dem Haus.

Fast gleichzeitig mit der Entlassung der Magd, stellten sich bei der kleinen Anna-Maria höchst sonderbare Anfälle krankhafter Art ein: Das Kind wurde beim Aufstehen von heftigem Zittern befallen, stöhnte und begann, wie im Fieber, unverständliches Zeug zu sprechen, dann kamen ein paar Gufen ( Stecknadeln) aus dem Mund(?) und jeden Tag kamen immer wieder Gufen aus dem Mund und nach 18 Tagen waren es zirka 100 Gufen (?)

Dabei wusste man - und auch die Eltern behaupteten nichts anderes - dass Anna-Miggeli nie Nadeln verschluckt hatte; überdies wäre es auch unerklärlich gewesen, dass diese Nadeln erst nach achtzehn Tagen vom Körper ausgeschieden wurden. Es konnten also unmöglich dieselben Nadeln sein.

Der evangelische Rat von Glarus verurteilte Anna Göldi am 6. Juni 1782 zum Tod durch das Schwert.  

Noch ein paar Anmerkungen zu den Themeninseln im Museum:
Der methodische Ablauf ist von Anfang bis zum Ende gut aufgebaut.
Die heutige Rehabilitierung Anna Göldis und die Menschenrechte werden thematisiert.
Verschiedene Sachen, wie Bilder und Gegenstände aus Annas Leben und Umfeld werden lebendig und beeindruckend gezeigt.

Es war sehr interessant und wenn man auf Google surft, findet man dort die Geschichte über das Leben der Anna Göldi. 

Bericht: Ingrid Scheiber-Sengl
Fotos: Jutta Gstrein

Foto dazu können Sie unter Opens external link in new windowden Gallery angeschaut werden.