Bericht über die Besichtigung des neuen Landtagsgebäudes des FL in Vaduz vom 9. März 2012

Um 17:45 Uhr trafen wir uns vor dem neuen Landtagsgebäude, das im Februar 2008 seiner Bestimmung übergeben wurde. Es ist übrigens das 1. Mal in der 150-jährigen Geschichte des liechtensteinischen Parlaments, dass der Landtag über ein eigenes Gebäude verfügt. Bruno Jehle vom Landtagssekretariat begrüsste uns pünktlich um 18:00 Uhr und informierte uns einleitend über die Entstehung des neuen Gebäudes.

 

Der Weg zu einem eigenen, neuen Landtagsgebäude dauerte von 1984 bis 2008, also 24 Jahre. Dem Landtagsbeschluss von 1984 folgte 1986 ein städtebaulicher Ideenwettbewerb, in dessen Mittelpunkt der Bau eines Landtagsgebäudes stand. Schlussendlich fiel aber erst im Jahre 2000 die Entscheidung für das heute verwirklichte Projekt des Architekten Hansjörg Göritz aus Deutschland. Baubeginn war im September 2002, die Fertigstellung und feierliche Eröffnung des Hohen und Langen Hauses erfolgte im Februar 2008. Zusammen mit dem Regierungs- und dem Archivgebäude bildet das neue Landtagsgebäude heute das Regierungsviertel. Die 25 Abgeordneten, welche den liechtensteinischen Landtag bilden, sind neben der Mitwirkung bei der Gesetzgebung unter anderem auch für die Bildung einer funktionierenden Regierung mitverantwortlich. Weiters nimmt der Landtag eine wichtige Kontrollfunktion über Regierung und Landesverwaltung wahr und ist für die Bewilligung der staatlichen Finanzmittel zuständig.

Der «Brick Award», der jährlich von der international grössten Ziegelproduzentin, der Firma Wiener­berger AG aus Österreich vergeben wird,  ging im Jahre 2010 an Architekt Hansjörg Göritz für das Landtagsgebäude in Vaduz. Insgesamt waren zum Wettbewerb 260 ziegelarchitektonische Projekte aus 32 Ländern eingereicht worden. Dabei waren neben der innovativen äusseren architektonischen Gestaltung und dem Umgang mit dem Material Ziegel auch die Funktionalität und Ökologie der Gebäude ausschlag­gebende Kriterien.

Hansjörg Göritz, der heute in den USA arbeitet, interpretierte den ursprünglichen Bebauungsplan neu und schuf zwei Gebäude, die durch ihre aussergewöhnlich einfachen, fast sakralen Formen Vaduz in städtebaulicher Hinsicht aufwerten und durch die einheitliche Materialität und Konsequenz in der ausschließlichen Verwendung ockergelber Sichtziegel den Betrachter in den Bann ziehen.

Facettenreiche Ein- und Ausblick

     



 

 

Der Neubau des Landtagsgebäudes des Fürstentums Liechtenstein setzt einen ungewöhnlichen architektonischen Akzent in der Gestaltung des Regierungsviertels in Vaduz. Architekt Prof. Hansjörg Göritz, der das Projekt in Planungsgemeinschaft mit der Frick Architekten AG aus Schaan realisierte, nahm die verschiedenen Baustile in Vaduz als Anlass zur Fortsetzung – mit dem «Hohen Haus» für das Parlament und einem «Langen Haus» entlang des Bergfußes, in dem die Büroräumlichkeiten für das Parlament untergebracht sind.

Für die Architekten stand von Anfang an fest, dass in das steile Dach ein Lamellenoberlicht integriert werden sollte. Ein zusätzliches Thema war die Planung von Rauch-Wärme-Abzügen. Mit dem imposanten Dachfenster über die gesamte Firstlänge erhielt der Plenarsaal den nötigen Lichteinfall und eine ideale Belüftung. Es handelt sich um Fensterflächen mit elektrisch auffahrbarer Schuppenverglasung und unterem Festglas. Die unteren Trägerteile bestehen aus elektropoliertem Chromnickelstahl (CNS), der umlaufende Rahmen aus einem isolierten Aluminiumprofil. Die Isolierverglasung wird mittels Glashalteklammern eingehängt.

Auch im übrigen Gebäude, im so genannten Zwischenbau, mit dem das Hohe und das Lange Haus verbunden sind, sorgen grosse Lamellensysteme für viel Licht und Luft. Die Fassadenkonstruktion wird von einer rahmenlosen Verglasung umhüllt. Die Schuppenverglasung der Front­seiten ist elektrisch auffahrbar und mit speziellen, beweglichen Glashalteklammern befestigt. Die von der Sonneneinstrahlung erwärmte Luft kann somit gleichmäßig und direkt wieder abgeführt werden. Zugluft wird vermieden. Durch die abgestuften, ziegelförmig überlappenden Schuppen wird die gewünschte Dichtheit des Systems gewährleistet.

 Strenge Formen mit hellem Klinker

Der neue Landtag umfasst zwei unterschiedliche Baukörper: Das Hohe Haus beinhaltet den Plenarsaal, das Lange Haus übernimmt auf drei Geschossen alle dienenden Funktionen. Dort liegen die Büros und die Fraktionsräume der Parteien, die Sitzungszimmer, das Sekretariat, das Archiv und die Bibliothek. Eine Tiefgarage unter dem Peter-Kaiser-Platz bietet 50 Stellplätze für die Regierung, ihre Mitarbeiter und die des Landtages. Das Hohe Haus zeigt sich als spitzgiebelige Urform und auch das Lange Haus verfügt über eine klare und einfache Kubatur. Beide sind verbunden durch einen großen, lichten Platz. Alle Baukörper und Details wurden auf ihren Ursprung bzw. ihre Gemeinsamkeiten reduziert: Strenge geometrische Formen, Materialien ohne Kaschierung und auch die einheitliche Farbe für Gebäude und Platz entsprechen diesem Konzept. Selbst der Garten ordnet sich dieser strengen Komposition unter.

Das Gebäude entspricht bis auf die Beleuchtung dem Minergie-Standard, was dank sehr guter Wärmedämmung und effizientem Umgang mit nicht erneuerbarer Energie niedere Betriebskosten bedeutet. Wärme und Kälte werden für das Landtagsgebäude mit zwei Wärmepumpen aus Grundwasser gewonnen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund CHF 42 Mio.

Herzlichen Dank an Bruno Jehle vom Landtagssekretariat, welcher uns das neue Hohe Haus gezeigt hat. Leider fehlte an diesem Abend die Zeit, auch das Lange Haus und das über 100-jährige Regierungsgebäude - mit dem alten Landtagssaal - zu besichtigen. Herr Jehle versicherte uns aber, dass wir bei einem späteren Besuchstermin auch diese Gebäude noch zu sehen bekommen werden.

Zur Information die Anlässe zum Jubiläum:

·       150-Jahre-Jubiläumstag für die liechtensteinische Bevölkerung
Samstag, 30. Juni 2012, 11 – 17 Uhr, Peter-Kaiser-Platz in Vaduz

·       Offizielle 150-Jahre-Jubiläumsfeierlichkeit des Landtags

Mittwoch, 26. September 2012, 10 – 14 Uhr, Landtag in Vaduz

(Bericht: Soziokulturelle Sachbearbeiterin Regula Marfurt-Kaufmann, SGB-FSS Ostschweiz-Liechtenstein und Landtagssekretariat Bruno Jehle)

Foto dazu können unter der Opens external link in new windowGalerie angeschaut werde.