Anleitung für Hörende im Umgang mit Gehörlosen

Geschichte der Gehörlosen

Was bedeutet gehörlos?

unsichtbar - unbekannt - uneinfühlbar

Wie können hörende Menschen mit Gehörlosen kommunizieren?

Gehörlosigkeit ist eine nicht sichtbare Behinderung und wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Die Tragweite und die Folgen von Gehörlosigkeit werden oft unterschätzt. Gehörlosigkeit ist für Hörende schwer einfühlbar und erfordert eine andere Kommunikationsform als das gesprochene Wort. Hörende aber sind oft zu wenig informiert, um sich in die Welt der Gehörlosen einfühlen zu können und mit uns, auch ohne Kenntnisse der Gebärdensprache, ein Gespräch zu führen.


Die Gebärdensprache ist unsere Muttersprache.

Gebärdensprache ist die Erstsprache der Gehörlosen.

Die Lautsprache ist für uns Gehörlose jedoch eine Fremdsprache, die jahrelang geübt werden muss und nicht auf dem üblichen Weg, d.h. über das Hören, erlernt werden kann. Zudem hat Gebärdensprache eine komplett andere Grammatik als die Lautsprache.

Das Gefühl für die gesprochene Sprache kann sich daher nicht natürlich entwickeln. Dies hat zur Folge, dass die Aussprache von Gehörlosen für Hörende ungewohnt wirkt und es anfänglich manchmal etwas schwierig sein kann, uns Gehörlose zu verstehen.

Neben unserer Muttersprache - das ist die Gebärdensprache - beherrschen viele Gehörlose zudem eine lautsprachliche Verständigung. Viele glauben, dass die Gebärdensprache überall auf der Welt gleich sei. Gebärdensprache ist auch keine Zeichensprache! Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik, es gibt Regeln und Ausnahmen und auch Dialekte - wie in jeder anderen Sprache auch. So werden z.B. die Wochentage in Liechtenstein anders gebärdet als im benachbarten Österreich. Viele gehörlose Personen können Wörter ihres Gegenübers vom Mund ablesen. Man muss aber wissen, dass nicht alles Gesprochene durch Lippenlesen verstanden werden kann und dass das sehr anstrengend ist.

Dennoch kommt es immer wieder zu Missverständnissen zwischen hörenden und gehörlosen Mitmenschen und zu Informationsmangel und Wissensrückstand in der Kommunikation.

Damit wir uns besser verstehen...

  • Bitte erschrecken Sie nicht wegen unserer ungewohnten Aussprache.
  • Sprechen Sie hochdeutsch, nicht zu schnell, deutlich, in kurzen und klar formulierten Sätzen.
  • Nicht alle auf einmal und nicht durcheinander sprechen, sonst verlieren wir den Faden.
  • Bleiben Sie mit uns im Blickkontakt, denn wir lesen teilweise von den Lippen ab.
  • Stehen Sie ins Licht. Gestik, Mimik, Stichwörter aufschreiben - alles das kann zur Verständigung beitragen.
  • Gestalten Sie die Kommunikation aktiv mit. Schnelle Themenwechsel können verwirren. Bitte vergewissern Sie sich, ob wir Ihrer Aussage folgen können.

 

Was kann man noch tun?

  • Bei offiziellen Anlässen oder wichtigen Terminen können GebärdensprachdolmetscherInnen zur besseren Verständigung eingesetzt werden.
  • Im Fernsehen ist TV-Untertitelung sehr hilfreich und sehr wichtig für uns.
  • Im Alltag verwenden wir häufig SMS, Schreibtelefone, Telefax oder E- Mail sowie die Telefonvermittlung.
  • Übrigens: Sie können jederzeit Gebärdensprachdolmetscherinnen über den Opens external link in new windowLiechtensteinischen Behindertenverband bestellen.